Auch Streit und Reibereien können in ein glückliches Familienleben führen: Wie geht es anders?

Von Veröffentlicht am: 30. Oktober 2022Kategorien: Beziehungen, Erziehung, Liegende Acht

Trotz Reibereien / Streit kann der Weg auch über Streit und Reibereien in ein glückliches Familienleben führen.
Tragende Beziehungen entlasten die heutigen Eltern, nachdem die autoritäre Er-ziehung immer mehr ausgedient hat. Wie können sie entstehen?

Auf die Frage:
«Was wünschen sich Eltern für ihre Kinder und was möchten sie mit ihrer Erziehung erreichen?»

Die häufigsten Antworten sind:
« Ich möchte, dass mein Kind eine glückliche Kindheit hat.»
«Mein Kind soll als Erwachsener ein selbständiges, erfolgreiches, freies Leben führen können.»
«Mein Kind soll es einmal besser haben… (als ich).»

Auf die Frage:
«Wie soll die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Kind sein, wenn es mal Erwachsen ist?»
«Ich wünsche mir eine freundschaftliche Beziehung, wir leben alle unser eigenes Leben und sind füreinander da.»

Ein spannender, herausfordernder Weg führt vom Baby zum eigenständigen, glücklichen Erwachsene.

Ein langer Weg, der mit der vollkommenen Abhängigkeit zwischen Eltern und Kindern beginnt:
Das Baby kommt auf die Welt und möchte 24 / 7 liebevoll versorgt werden.
Was macht es für beide Teile so anspruchsvoll, diese Abhängigkeiten Schritt für Schritt zu lösen?
Eltern wollen es gut machen und geben, was sie können. Sie wollen dabei geliebt und gebraucht werden.

Auch Kinder und Jugendliche wollen geliebt werden. Sie möchten es einerseits möglichst bequem haben und andererseits ihren eigenen Willen durchsetzen.
Ob mehr die Eigenständigkeit oder das Sich-verwöhnen-lassen ausgelebt wird, hängt vom Charakter und Temperament der einzelnen Personen in der Familie ab.
Kinder zur Selbständigkeit mit Druck, Strafe und Belohnung zu «er-ziehen» funktioniert je länger je weniger.
Was funktioniert dann? Was passt zur heutigen Zeit, wo die Autorität und die strengen Hierarchien immer mehr ausgedient haben?

Wenn ich als Mutter oder Vater etwas nicht mehr für mein Kind übernehme, was ich bisher gemacht habe, kommen bei beiden Mangelgefühle auf:
Es fühlt sich als Eltern an, als ob ich weniger geben könnte. Als Kind fühlt es sich an, als ob ich weniger bekommen würde.
Die automatische Reaktion auf beiden Seiten ist Widerstand in Form von Rückzug oder Aufbegehren. Häufig ist Streit die Folge, was das schmerzhafte Gefühl noch verstärkt.
Eine Negativspirale beginnt. Durch diese Auseinandersetzungen wird das Gefühl des Mangels noch verstärkt und beide Seiten fühlen sich noch weniger geliebt.

Heute ist das Wort ACHTSAMKEIT in aller Munde. Ist Achtsamkeit nur ein trendiges Wort, das bald wieder verschwinden wird? Oder steht mehr dahinter?
Wie genau sollen wir durch Achtsamkeit Burnout, Streit, und noch vieles mehr verhindern können?

Achtsam sein für mich und meine Gefühle heisst, ich nehme wahr, was in mir abläuft. Ich richte meinen Fokus auf das, was in mir drin vorgeht. Ich ziehe die Aufmerksamkeit vom Aussen weg. Das klingt einfacher, als es ist und braucht viel Übung.
Die Übung besteht darin, dass ich mich nicht ablenken lasse, wenn ein Gefühl in mir aufkommt. Ich nehme dieses Gefühl in mir wahr, lasse es zu. Ich widerstehe der Versuchung, das Gefühl loszuwerden, unabhängig davon ob es sich um Wut, Trauer, Angst oder andere Gefühle handelt.
Wenn ich sie zulasse, tut es erst einmal weh. Dann lösen sie sich auf. Sie lösen sich immer auf, manchmal schneller und manchmal braucht es länger.

Wenn ich als Eltern selber nicht mehr ständig von meinen Gefühlen getriggert werde, kann ich in der Verbindung bleiben. Zuerst in Verbindung zu mir und dann auch in Verbindung zu meinem Kind.

Dann gelingt es mir, einen positiven Blickwinkel einzunehmen: Ich achte darauf, was mein Kind schon selbst kann. Ich freue mich mit ihm darüber, dass es auf dem Weg zum Ziel (siehe oben) gerade einen Schritt weitergekommen ist.
Eltern unterstützen die Selbständigkeit und Entwicklung ihres Kindes. Somit ist die positive Entwicklung ein gemeinsamer Erfolg, was das Gefühl der Verbindung erleichtert. In diesem Gefühl ist es einfacher, die Reibereien auszuhalten. Sie gehören zum Ablösungsprozess. Unsere innere Haltung macht den Unterschied, ob diese Ablösungsprozesse längerfristig gefühlsmässig zueinander oder voneinander wegführen.

Die Art der Beziehung, die wir später einmal als Erwachsene in den Familien miteinander führen werden, ist unter anderem abhängig davon, wie der Umgang der Eltern mit ihren Kindern ist.

Deshalb sind die Zeit und die Energie, welche Eltern in die Verbindung mit den eigenen Kindern investieren, so wertvoll.
So bleibt zwar der Ablösungsprozess zeitweise schmerzhaft. Dafür erhöht sich die Wahrscheinlichkeit beträchtlich, dass er zu einem freundschaftlichen, freien Verhältnis unter Erwachsenen führt, welche auch später noch füreinander da sind.

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